Wunschkind

Bevor man sich in das ‚Abenteuer Pflegekind‘ stürzt, empfiehlt es sich, sich innerhalb der Familie intensiv Gedanken darüber zu machen, welches Kind man aufnehmen möchte.

Soll es ein Mädchen sein? Oder ein Junge?
Welches Alter sollte das Kind haben? Wie passt es in die bestehende Altersstruktur der Familienmitglieder?
Welche Wünsche gibt es? Gibt es Ausschlusskriterien?
Die Meinung und Haltung etwaiger Geschwisterkinder sind dabei unbedingt ernst zu nehmen und in den gemeinsamen Überlegungen zu berücksichtigen!

Viele Kinder, die in Pflegefamilien oder Erziehungsstellen untergebracht werden, haben in ihrem Leben bereits traumatisierende Dinge erlebt, die sich unweigerlich auf ihre weitere Entwicklung auswirken werden. Fühlen Sie sich als Familie stark genug, die besonderen Bedürfnisse eines ‚vorbelasteten‘ Kindes in Ihre Familie integrieren zu können?
Die Bandbreite der Traumatisierungen reicht von über Vernachlässigung über Gewalt bis hin zu (sexuellem) Missbrauch. Mehrfachnennungen sind (leider) möglich.

Auch Sucht – passiv als Kind süchtiger leiblicher Eltern oder aktiv als Folge von Vernachlässigung – ist ein wichtiges Thema. Können Sie sich vorstellen, ein Kind mit einer Suchtvergangenheit in die Familie aufzunehmen?

Ihre persönlichen Vorstellungen werden von manchen ‚Anbietern‘ (Jugendämter, Hilfeträger) aktiv abgefragt. Es ist jedoch in jedem Fall sinnvoll, sich selber – als Paar oder als Familie – Gedanken darüber zu machen, wie man sich die Familie zukünftig vorstellt und welches Kind da hineinpassen könnte (und vielleicht auch welches nicht).

Das Profil, das wir damals mit unserer Tochter abgestimmt haben, sah in etwa so aus:

  • Junge oder Mädchen
    Das war uns wirklich schnurz.
  • So jung wie möglich
    Wir wollten dem Kind in seiner sensiblen Phase (1. und 2. Lebensjahr) ermöglichen, noch möglichst viele positive und ‚heilende‘ Erfahrungen als Mitglied unserer Familie zu machen.
  • Kein Suchthintergrund
    Elvis‘ Mama hatte beruflich einschlägige Erfahrungen in der Therapie von Suchtpatient*innen gesammelt. Ein Kind mit Suchterfahrung kam für uns nicht in Frage.
  • Aktive Persönlichkeit
    Ein gemütliches Kind hatten wir ja schon. So waren wir uns schnell einig: das nächste Kind dürfte ruhig ein Aktivposten sein. Wenn wir bloß gewusst hätten, worauf wir uns da einließen…

Einige Wochen nach unserem Brainstorming kam der damalige Hilfeträger auf uns zu. Er hätte da vielleicht jemanden für uns…
Kaum zwei Tage später saßen wir zu dritt erwartungsvoll in dem großen Spielzimmer eines Kinderheimes und herein kam…

Unser Wunschkind:
Elvis.

Frage des Tages

Wird die werdende Pflegefamlie und ihre einzelnen Mitglieder mit ihren Wünschen und Grenzen hinsichtlich der Vermittlung eines Pflegekindes gehört und ernst genommen?

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