Radio Gaga

Neulich wollte Elvis unbedingt „das Spiel mit den Elefanten“ – ein Brettspiel, das wir uns in der Bücherei ausgeliehen hatten – spielen.
Gesagt, getan…

Wir räumten den Küchentisch frei, stellten uns ein paar Gläser und eine Flasche Apfelsaft bereit und schalteten – für die Gemütlichkeit – das Radio ein, das im Hintergrund leise vor sich hin dudelte. Es konnte losgehen!

Das Würfelglück war uns nicht so hold und so zog sich das Spiel etwas zäh dahin. Mir fiel auf, dass Elvis – trotz des unspektakulären Spielverlaufs – relativ aufgedreht war. Vor allem die zunehmende Lautstärke seiner Stimme wunderte mich.

Doch der King ist immer für eine Steigerung gut: Als es schließlich um die letzten zu besetzenden Felder ging – also um Sieg oder Niederlage, Triumph oder ewige Schmach – brüllten wir uns über das Spielfeld hinweg an. Die passende Hintergrundmusik dazu lieferte das Radio. Leise zwar, aber Hardrock von AC/DC…
Ohne dass wir es gemerkt hatten, waren wir von der Lautstärke her längst mit 180 Sachen auf dem ‚Highway To Hell‘ unterwegs. Und Elvis gab weiter Gas…

Mir fiel ein Detail aus Elvis‘ Vorgeschichte ein: Als Baby hatte er kein eigenes Zimmer in der kleinen Wohnung der Herkunftsfamilie. Sein Bettchen stand im Wohnzimmer. Tagsüber lief in dem Raum ununterbrochen der Fernseher und abends empfingen die Kindeseltern dort Gäste, die oft bis spät in die Nacht blieben.
Auch später bei uns hatte Elvis immer wieder mal empfindlich auf viele (oder laute) Umgebungsgeräusche reagiert.

Ich stand auf und schaltete das Radio aus.
Wir machten eine kurze Pause, tranken jeder einen Schluck Saft und setzten uns dann wieder hin, um das Spiel in Ruhe zu Ende zu spielen. Es wurde nochmal spannend, aber bei Weitem nicht so laut und aufgeregt, wie unter der vorangegangenen musikalischen Dauer-Berieselung.

Elvis gewann.
Mit einem Elefanten Vorsprung.

Frage des Tages

Sind den Bezugspersonen des Kindes dessen Ressourcen (und deren Einschränkungen) bewusst und wird den besonderen Bedürfnissen im Alltag Raum gegeben?

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