Der perfekte Hilfe-Träger

Gleich vorweg: den perfekten Hilfe-Träger gibt es nicht.
Ein Grund, dauerhaft mit einem mittelmäßigen zusammenzuarbeiten oder zu lange bei einem schlechten bleiben ist das natürlich nicht.
Die Angebote in der Sozial-Hilfe-Landschaft sind so vielfältig, dass sich mit etwas Einsatz ein Hilfe-Träger finden lässt, der gut zu den individuellen Bedürfnissen der eigenen Pflegefamilie passt.

Das Sozialgesetzbuch VIII unterscheidet zwischen Trägern der freien und der öffentlichen Jugendhilfe.
Träger der öffentlichen Jugendhilfe sind gem. §69 SGB VIII die Jugendämter1.

Die Anerkennung nicht-öffentlicher, also freier Träger der Jugendhilfe ist in §75 SGB VIII geregelt:

§75 SGB VIII
Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe

(1) Als Träger der freien Jugendhilfe können juristische Personen und Personenvereinigungen anerkannt werden, wenn sie

  1. auf dem Gebiet der Jugendhilfe im Sinne des §1 tätig sind2,
  2. gemeinnützige Ziele verfolgen,
  3. auf Grund der fachlichen und personellen Voraussetzungen erwarten lassen, dass sie einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Erfüllung der Aufgaben der Jugendhilfe zu leisten imstande sind, und
  4. die Gewähr für eine den Zielen des Grundgesetzes förderliche Arbeit bieten.

(2) Einen Anspruch auf Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe hat unter den Voraussetzungen des Absatzes 1, wer auf dem Gebiet der Jugendhilfe mindestens drei Jahre tätig gewesen ist.

(3) Die Kirchen und Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts sowie die auf Bundesebene zusammengeschlossenen Verbände der freien Wohlfahrtspflege sind anerkannte Träger der freien Jugendhilfe.

Quelle: www.sozialgesetzbuch-sgb.de

Kaufmännisch betrachtet, treten die sogenannten ‚freien Träger‘ im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfen in einer Art Zwischenhändler-Rolle auf:
Wenn ein Jugendamt in einem Kinder- und Jugenhilfefall nicht selber als Träger auftreten kann oder will, kann es die Leistung „Unterbringung eines Kindes gem. § 33/34/35 SGB VIII“ an einen Träger der freien Jugendhilfe abgeben.

Das Jugendamt zahlt für die Dauer der Unterbringung des Kindes einen bestimmten Tagessatz an den Träger.
Der deckt von dem Geld in erster Linie seine eigenen Kosten: z.B. für Büromiete und Personalkosten für die Aufrechterhaltung des täglichen Betriebs. Den ‚Rest‘ bekommt die Pflegefamilie oder Erziehungsstelle. Bei der Familie (und damit auch beim Kind) kommt also nur ein gewisser Teil des, mit dem Jugendamt verhandelten, Tagessatzes an.

Was die freien Träger mit dem Anteil machen, den sie vorher ‚abzwacken‘, wird nicht von öffentlicher Hand kontrolliert oder reguliert; ist also den Trägern selbst überlassen.

Dem Träger, über den Elvis bei uns untergebracht wurde, war es beispielsweise unheimlich wichtig, allen angeschlossenen Pflegefamilien mehrmals jährlich Besuche in einem großen Freizeitpark zu spendieren.
Auf die Frage, ob wir das Geld nicht lieber etwas ausgeben könnten, das Elvis auch konkret zu Gute gekommen wäre, antwortete die Leitung des Trägers damals mit der Mutter aller Argumente: „Nein. Das haben wir schon immer so gemacht.“

Anekdoten wie diese, eine fehlende Transparenz – die Führung des Hilfe-Trägers betreffend – und Fehlentscheidungen im Hinblick auf Elvis‘ Bedürfnisse, haben schließlich dazu geführt, dass wir den Träger gewechselt haben.

Unserem neuen Träger geht es nicht um Freizeitpark-Besuche. Der Fokus liegt auf einer guten Vernetzung seiner Pflegefamilien und deren kontinuierliche, fachliche Weiterbildung im Sinne der Hilfen für die, vom Träger betreuten, Kinder.

Da haben wir einen echten Glücksgriff gemacht.

‚Glücksgriff‘ auch deshalb, weil es keine, in irgendeiner Form einheitlichen, Referenzen gibt, an denen wir uns im Entscheidungsprozess zwischen den Trägern der Jugendhilfe in unserer Region hätten orientieren können.

Entsprechend §75 SGB VIII, kann jede Person, die die oben genannten Voraussetzungen erfüllt, als freier Träger in der Jugendhilfe anerkannt werden. Eine (standardisierte) Qualitätskontrolle der freien Träger durch öffentliche Instanzen erfolgt nach Anerkennung nicht.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, Ob sich nicht was Bess’res findet.

Frage des Tages

Liegt der Fokus des Hilfe-Trägers auf der maximal möglichen Qualität der individuellen Hilfe für das Kind – oder anderswo?

Fußnoten:

  1. vgl. §69 SGB VIII – Träger der öffentlichen Jugendhilfe, Jugendämter, Landesjugendämter auf www.sozialgesetzbuch-sgb.de
  2. vgl. §1 SGB VIII – Recht auf Erziehung, Elternverantwortung, Jugendhilfe auf www.sozialgesetzbuch-sgb.de

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